Die Halcyon-Tage

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Mitten im Winter, Ende Januar, wird das Wetter erstaunlich mild, werden die Tage von viel Licht durchflutet – eine Zeit, die man hierzulande die „glücklichen Tage“ oder eben „Halcyon-Tage“ nennt.
Die mythischen Halcyon-Tage erhielten ihren Namen vom Eisvogel, dem Halcyon, der seine Eier auf den schroffen Felsen der stürmischen See ausbrütet. Obwohl Eisvögel eigentlich Zugvögel sind, verlassen sie uns nicht im Herbst, wie es sich für Zugvögel gehört, sondern warten dazu erst den Frühling ab. Die „glücklichen Tage“ zeigen uns, dass es auch im tiefsten Winter nicht an mildem Wetter und hellen Tagen mangeln muss.

Zu diesem meteorologischen Phänomen gibt es natürlich auch eine wissenschaftliche Erklärung: In dieser Jahreszeit ist der Luftdruck in Süd- und Nordeuropa nahezu identisch; dadurch entsteht die angenehme Wetterlage.

Mythen und Legenden

Die griechische Mythologie verrät uns, dass Halcyon die Tochter des Gottes der Winde war, des Aeolus. Gemeinsam mit Ihrem Ehemann Ceyx lebte sie glücklich und zufrieden direkt am Meer. Da die beiden ein gesundes Selbstbewusstsein hatten, verglichen sie sich hin und wieder mit Hera und Zeus. Dies konnte Zeus natürlich nicht auf sich sitzen lassen und verwandelte Ceyx kurzerhand in einen Aasgeier. Halcyon suchte daraufhin die Meere unermüdlich nach ihrem verschollenen Ehemann ab. Nachdem eine Menge Wasser den Rhein heruntergeflossen war, zeigten die olympischen Gottheiten Mitleid – und verwandelten Halcyon in einen Seevogel.

Dies verbesserte Halcyons Leiden nicht: Da sie ihre Eier nicht wie andere Vögel im Frühling, sondern mitten im Winter legen musste, riss der kräftige Seegang Eier und Schlüpflinge mit sich fort, ehe sie überhaupt fliegen lernen konnten. Das herzzerreißende Schluchzen Halcyons rührte Zeus und weitere Gottheiten des Olymp endlich an. Daher entschieden sie sich dazu, im Januar für 15 Tage guten Wetters zu sorgen. In dieser Zeit gibt es nur sanfte Winde und ein ruhiges Meer. So konnte Halcyon ihre Eier letztlich doch noch ausbrüten und ihren Jungen beibringen, wie man richtig fliegt, ehe sie von den Wogen des Meeres hinfortgerissen werden konnten.

Eine andere Sage berichtet, dass Halcyons Ehegatte Ceyx zum Fischen auf das offene Meer hinaus fuhr, sein Boot den starken Winden jedoch nicht trotzen konnte und versank. Die verzweifelte Halcyon indes, die das Drama von der Küste aus mit ansehen musste, stürzte von den Felsen in den Tod. Ihre Liebe aber war so stark und unerschütterlich, dass die olympischen Götter Gnade walten ließen und beide in Vögel verwandelten: In Eisvögel, Halcyons.

Diese Vögel legen ihre Eier im Winter in Felsspalten an der Küste des Meeres. Mitte Januar erlaubte Zeus dem Wetter großzügig, sich ein wenig zu erwärmen und sich etwas ruhiger zu verhalten, damit die Vogelmutter ihre Eier in Ruhe ausbrüten konnte. Und so kam es, dass man diese milden, sonnigen Tage heutzutage die Halcyon-Tage nennt.

Ein erhebendes Zeichen

In der Mythologie steht der Eisvogel, also Halcyon, für Gelassenheit, Ruhe und sanfte Wogen. Zusätzlich symbolisiert er Optimismus, da das milde Wetter dieser Tage uns aus der Melancholie des Winters entführt. Der Eisvogel ist auch als Symbol einer glücklichen, respektvollen Ehe bekannt. Man glaubt, dass der männliche Eisvogel, wenn er in die Jahre kommt und nicht mehr fliegen kann, von seiner Partnerin bis zum Ende seiner Tage auf ihren Schultern getragen, gefüttert und liebevoll umsorgt wird.

Einer mittelalterlichen Legende zufolge waren Eisvögel ursprünglich komplett grau. Allerdings berichtet man, dass die Eisvögel während der biblischen Sintflut so hoch flogen, dass die Sonne ihre Brust rotorange färbte und ihrem Rücken das Blau des Himmels verlieh.

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